Nicotine Pouches – (Fast) so schädlich wie Zigaretten… und wie dir Cannabis helfen kann, davon wegzukommen

Junger Mann klemmt sich ein Snus unter die Lippe

An meinen ersten Nikotinbeutel kann ich mich noch gut erinnern. Es war mit 17 Jahren, und zwar zu einer Zeit, wo es diese Dinger in Deutschland und Österreich noch gar nicht „legal“ zu kaufen gab.

Die kleinen weißen Beutelchen waren Importe aus Skandinavien. Und zwar nicht nur mit Nikotinsalzen gefüllt, sondern mit richtigem Tabak. Und frisch und minzig hat es geschmeckt.

Ein Freund hatte die Pouches immer dabei, und er bot sie mir an, als wir in einem Club mit Terrasse draußen feierten. Wir nannten sie „Snus“ oder „Snüs“ – und fühlten uns extrem cool. Es gab Gerüchte, dass die Hersteller winzige Glassplitter in die Säckchen füllten, damit man das Nikotin noch schneller aufnehmen kann.

Es war einfach total aufregend, erstens weil es nicht ganz legal war, zweitens weil man es ganz geheim machen konnte. Unter die Oberlippe geklemmt, merkte das ja auch keiner, und man fühlte einen kribbeligen Nervenkitzel… oder waren es doch schon die Wirkungen des ungewohnt hohen Nikotingehaltes im Blut?

Etwa 20 Minuten und ein Bier später wurde mir dann schlagartig Schwindlig, ich torkelte in letzter Sekunde zum Terrassengeländer und kotzte mir schwallartig die Seele aus dem Leib. Eine der klassischen Nebenwirkungen einer Nikotinvergiftung

Das Nervengift Nikotin – es macht nicht nur extrem abhängig, sondern schädigt auch deinen Körper und dein Gehirn

In den kommenden 1 ½ Jahren probierte ich die Nicotine Pouches noch weitere vier Mal. Und musste mich davon drei Mal übergeben. Auch ohne Alkohol. Damit war das Kapitel für mich erledigt.

Kreislaufprobleme, Schwindel, Erbrechen, Magenschmerzen, Durchfall, Zittern, Herzrasen… das sind nur einige der Nebenwirkungen einer Nikotinvergiftung. Und diese hat man, vor allem mit Tabak- bzw. Nikotinbeuteln sehr schnell erreicht.

Man braucht keine Rauchpause, man kann sich die Dinger schnell in den Mund stecken und keiner bekommt etwas mit. Das in Kombination mit der extrem suchterzeugenden Wirkung von Nikotin führt zu einer raschen Toleranzentwicklung. Die unmittelbaren Nebenwirkungen werden durch die Toleranz weniger, das Verlangen wird mehr, und der Konsum explodiert regelrecht.

Ein 3D Gehirn welches zum Teil zerfällt, um auf die schädlichen Auswirkungen hinzudeuten

Auch Nicotine Pouches können zu Krebs, oder einem Bein weniger führen

Die meisten Menschen, die Nikotinbeutel nehmen, sind der festen Überzeugung, dass es weniger schädlich ist als das Rauchen. Oder glauben sogar, es sei gänzlich unschädlich. Spoiler Alert: Das ist leider kompletter Bullshit.

Neben den genannten Nebenwirkungen führt Nikotin unter anderem zu einer Verengung der Blutgefäße (erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle) – davon kommt übrigens auch das sagenumwobene Raucherbein. Durch das viele Nikotin kommt es über Jahre zu massiven Verstopfungen der Blutgefäße, sodass das Gewebe (etwa in den Beinen) einfach abstirbt. Schlimmstenfalls müssen diese Gliedmaßen dann amputiert, also entfernt werden.

In einer Vielzahl von Nikotinbeuteln konnten zudem krebserregende Chemikalien nachgewiesen werden. Und auch Nikotin selbst wirkt als Tumorverstärker, wodurch man leichter an Krebs erkranken kann.

Nehmen Schwangere oder stillende Frauen Nikotinbeutel, so kann dies zu extremen Schädigungen des Babys führen.

Eine Männerhand hält eine Packung Nikotinbeutel vor einem schwarzen Hintergrund

Last but not least: Nikotin macht dich so süchtig wie Koks oder Heroin

Nein du bist noch kein Drogenjunkie, nur weil du Nicotine Pouches konsumierst, aber Nikotin hat nun mal eine ähnlich heftige Suchtwirkung wie harte Drogen.

So fand man in Studien heraus, dass Nikotin möglicherweise sogar noch süchtiger als Kokain und Heroin macht. Das Abhängigkeitsrisiko ist einfach enorm hoch. Deshalb kommen die wenigsten Menschen dauerhaft weg von Zigaretten oder Pouches.

So wirkt Nikotin in deinem Gehirn:

Sobald es in den Körper gelangt, ist es blitzschnell im Gehirn – oft in nur wenigen Sekunden. Dort dockt es an bestimmte Rezeptoren an und sorgt dafür, dass Dopamin ausgeschüttet wird (eines der „Glückshormone“).

Es belohnt uns mit einem kurzen und angenehmen Gefühl. Das Problem dabei: Das Gehirn merkt sich diesen Kick und will ihn immer wieder haben – und genau so entsteht das starke Verlangen.

Bleibt das Nikotin aus, reagiert das Gehirn gereizt: Man wird nervös, unkonzentriert oder schlecht gelaunt. Fast unbemerkt gerät man in einen Kreislauf, aus dem viele nur sehr schwer wieder herauskommen.

Besonders fies dabei: Durch die Toleranzentwicklung bleibt das Glücksgefühl irgendwann aus. Man leidet also dauerhaft unter den Entzugserscheinungen (ohne, dass man es merkt) und sobald Nikotin in den Körper kommt, ist man wieder auf „Normallevel“.
Also so, wie man sich ohne Nikotinsucht fühlen würde. Ja, man erfährt wieder ein Gefühl der Entspannung und Beruhigung. Aber nur, weil das Nikotin gerade deine Entzugssymptome verschwinden lässt. Bereits wenige Minuten nach dem Konsum kehren sie wieder langsam zurück.

Zerkleinerte Hanfblüten werden in den Vaporizer gegeben

Wie Cannabis dir helfen kann, von Nicotine Pouches loszukommen

Wait, what? Erst tadeln wir den Konsum von der einen Substanz, und preisen dann die nächste an? Ja, also irgendwie schon, aber lass es mich erklären:

Cannabidiol, kurz CBD, ist einer der bedeutendsten Wirkstoffe von Cannabis. Es berauscht zwar nicht, so wie THC, aber es hat eine Vielzahl an positiven Eigenschaften auf den menschlichen Körper.

So wirkt es etwa entzündungshemmend (vielen Menschen hilft es etwa bei Arthrose oder verschiedensten Schmerzen) und auch stresslindernd.

In zwei sehr aussagekräftigen Studien hat man außerdem festgestellt, dass der Cannabiswirkstoff Suchtpatienten helfen kann. So reduzierte die tägliche Einnahme von CBD erheblich das Verlangen nach dem Suchtstoff, wie etwa Alkohol, Heroin oder eben Nikotin.

Das CBD dockt im Gehirn an gewisse Rezeptoren an, die das Suchtverlangen dämpfen. Dadurch kann man schneller und nachhaltiger von einer süchtig machenden Substanz loskommen.

Wenn du also gerne den Nicotine Pouches den Kampf ansagen willst, kann dir CBD dabei helfen. Entweder in Form von hochdosierten Vollspektrum-Ölen, oder in Form von CBD-Blüten, welche du im Besten Fall mit einem Vaporizer inhalierst. Mit beiden Varianten nimmt dein Körper keine Schadstoffe auf und du profitierst von den Wirkungen des Cannabinoids. Die Cannabisblüten rauchen solltest du lieber nicht, da beim Verbrennen (auch ohne Nikotin) gewisse Schadstoffe entstehen.

Mein Tipp: Nimm CBD-Blüten mit weniger als 1% THC, so kannst du diese auch tagsüber ohne psychoaktive Wirkung genießen. Kommt das Verlangen nach dem nächsten Pouch, einfach ein paar Tropfen CBD auf die Zunge, oder einige Züge CBD durch den Vaporizer, schon reduziert sich dein Verlangen.

Hast du es einmal für mehrere Wochen ohne Nikotin geschafft, hast du den körperlichen Entzug überwunden. Nun kommt es auf deine Selbstdisziplin an, auch weiterhin den Griff zum Nikotinbeutel zu vermeiden.

 
 
Verrückter alter mann nimmt ein Bad in einem zugefrorenen und mit Schnee bedeckten See.

„Natural Highs“ als Alternative zum Suchtstoff

Sport, wie Laufen, Wandern, Schwimmen oder auch Krafttraining im Fitnessstudio, steigern dein Dopaminlevel übrigens auf ganz natürliche Weise. Oder ein Eisbad oder eine kalte Dusche wirkt extrem positiv auf dein System und schüttet auch viele Glückshormone aus – ganz ohne Nebenwirkungen.

Und by the way – weil ich es letztens gesehen habe – Nicotine Pouches während dem Training bewirken maximal, dass du dein Herz zu stark beanspruchst, dein Muskelaufbau reduziert wird und dein Training dadurch generell mehr Schaden als Nutzen erzeugt.

Meditieren kann ebenso gut helfen, dein Nervensystem zu regulieren und dich beim Entzug und auch danach unterstützen.

Am besten kombinierst du all diese „natürlichen Highs“ und machst jeden Tag eines oder mehrere davon. Du wirst dich danach immer gut fühlen. Und wenn deine Nikotin-lutschenden Freunde dich dann als langweiligen Loser abstempeln, dann such dir lieber andere Freunde.

 

Quellenangaben:

1. Schädlichkeit von Nikotinbeuteln: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12417499/
2. Krebserregende Stoffe in Nicotine Pouches: https://www.lung.org/quit-smoking/smoking-facts/health-effects/emerging-products
3. CBD bei Suchtpatienten: https://www.nature.com/articles/s41380-024-02869-y
https://www.recoveryanswers.org/research-post/cbd-effect-drug-craving-anxiety-heroin-use/

Über den Autor

Benjamin Höringer

Benjamin hat Kräuterheilkunde studiert und ist als freier Autor und Mediengestalter tätig. Er liebt die Natur, findet sich gerne auf Musikfestivals wieder und hat schon die eine oder andere bewusstseinserweiternde Pflanze ausprobiert.

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